Ehrenamt braucht Mehr-Wert-Schätzung (2006)

Aus Wissensspeicher

Wechseln zu: Navigation, Suche

Ehrenamt braucht Mehr-Wert-Schätzung
Beschluss der Mitgliederversammlung des Landesjugendring Berlin 2006



"Die LJR-Mitgliederversammlung hat beschlossen:

1. Die JuleiCa-Kommission des Landesjugendring Berlin wird beauftragt, einen Diskussionsprozess herbeizuführen, in dem geklärt wird, in welcher Form die von Ehrenamtlichen und Freiwilligen in der Jugendarbeit erworbenen Kompetenzen gewinnbringend dokumentiert werden,

  • ohne die Ehrenamtlichen und Freiwilligen in Jugendverbänden mit der Dokumentation zu überlasten und ohne zusätzliche Formalismen einzuführen und
  • ohne die Ergebnisoffenheit von Bildungsprozessen zu gefährden.

2. Der Landesjugendring Berlin fordert den Berliner Senat auf, den eigenständigen Demokratie fördernden Charakter des Ehrenamts zu stärken, indem er die infrastrukturellen und personellen Rahmenbedingungen der Gruppen, Verbände und Organisationen finanziell absichert, die durch die Prinzipien Partizipation, Selbstbestimmung und Qualifizierung Ehrenamtlicher einen besonderen Beitrag zum Bestehen und zur Weiterentwicklung unserer Zivilgesellschaft leisten.

3. Der Landesjugendring Berlin fordert Verantwortliche in der Wirtschaft auf, durch entsprechende Informationspolitik bei ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen ein Bewusstsein für die Bedeutung des Ehrenamts für den Erwerb sozialer Kompetenzen zu schaffen, so dass ehrenamtlich ausgeübte Tätigkeiten künftig in Bewerbungsverfahren besser berücksichtigt und mit der Gewährung von Sonderurlaub unterstützt werden.

4. Zur Weiterentwicklung der `JuleiCa-macht startklar!´ - Kampagne werden Vorstand und Kommission JuleiCa beauftragt, konkrete Möglichkeiten zu erarbeiten, damit die JuleiCa anerkannt wird:

  • in Bewerbungs- und Zulassungsverfahren der Berliner Hochschulen und Fachhochschulen als Nachweis relevanter sozialer Kompetenzen,
  • als Berechtigungsnachweis für Schulbefreiung zur Ermöglichung ehrenamtlicher Tätigkeiten.


Begründung

Ehrenamtlich engagierte junge Menschen verfügen über demokratiefördernde, soziale Kompetenzen. Dies belegen verschiedene Studien. Die Debatte um die Zertifizierung oder Bestätigung von im Ehrenamt erworbenen Kompetenzen und deren Anerkennung und Sichtbarmachung durch Politik, Wirtschaft und freie Träger ist zu begrüßen. Da sich Jugendliche in einer berufsorientierenden Lebensphase finden, ist die Anerkennung solcher Bestätigungen bzw. Zertifikate für sie von besonderer Bedeutung. Die Unterstützung übergeordneter politischer Stellen ist zu begrüßen, denn sie bestätigt, dass das Engagement politisch gewollt ist und unterstützt wird.

Zur Zeit existieren verschiedene Zertifizierungs-, Bestätigungs- und Nachweisverfahren nebeneinander. Unbestritten ist dabei, dass die von Jugendlichen im Ehrenamt eingesetzten sozialen Kompetenzen für Wirtschaft und Politik als gesellschaftliche nstitutionen bedeutsam sind.

Es besteht jedoch Uneinigkeit darin, ob

  • die Kompetenzen selbst, oder
  • die Teilnahme an einer Bildungsmaßnahme oder
  • das Ausüben einer Tätigkeit, welche das Vorhandensein der Kompetenzen nahe legen, zertifiziert werden.

Unbestritten ist, dass sich Zertifizierungen, Nachweise und Bestätigungen an den Interessen der NutzerInnen von Bildungsangeboten orientieren müssen und sie einen konkreten Nutzen für junge Menschen haben müssen. Unbestritten ist, dass eine Zertifizierung eine verlässliche Qualität bieten muss.

Um den Erwerb demokratiefördernder, sozialer Kompetenzen in der Jugendverbandsarbeit nicht zu gefährden, dürfen Bildungsprozesse nicht an Zertifizierungs-Notwendigkeiten angepasst werden: Der Erfolg bei der Vermittlung der Kompetenzen in Bildungsprozessen in Jugendverbänden liegt in der Ergebnisoffenheit.

Der Erwerb demokratischer Kompetenzen im Sinne von politischer Handlungs- und Urteilsfähigkeit, von Konfliktfähigkeit und Perspektivübernahme ist nur in dialogischen, ergebnisoffenen Bildungsprozessen möglich, die partizipativ gestaltet sind. Diese Prinzipien dürfen nicht zugunsten von Zielen der Wirtschaft aufgegeben werden.

Entsprechend stellen sich folgende Anforderungen an Politik und Wirtschaft:

Gesellschaftliche Anerkennung des Ehrenamts
Ehrenamt hat einen Wert an sich und befähigt zur Teilnahme an einer demokratischen Gesellschaft und ist nicht berufsvorbereitende Tätigkeit. Es geht in erster Linie um die gesellschaftliche Aufwertung des Ehrenamts. Wirtschaft ist ein Teil dieser Gesellschaft. Nachweise und Zertifikate sind deswegen auch für die Wirtschaft bedeutsam.

Ehrenamt ermöglichen

Zusätzlich muss die Politik entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, um Ehrenamt zu ermöglichen, wenn sie demokratische, handlungsfähige junge Menschen in dieser Gesellschaft will."

Quelle: Landesjugendring Berlin




Ausgabe: 11.10.2009

Ansichten
Persönliche Werkzeuge